1Zorn ist ein wütig Ding, und Grimm ist ungestüm; und wer kann vor dem Neid bestehen?
2Öffentliche Strafe ist besser denn heimliche Liebe.
3Die Schläge des Liebhabers meinen's recht gut; aber das Küssen des Hassers ist ein Gewäsch.
4Eine volle Seele zertritt wohl Honigseim; aber einer hungrigen Seele ist alles Bittre süß.
5Wie ein Vogel ist, der aus seinem Nest weicht, also ist, der von seiner Stätte weicht.
6Das Herz freuet sich der Salbe und Räuchwerk; aber ein Freund ist lieblich um Rats willen der Seele.
7Deinen Freund und deines Vaters Freund verlaß nicht. Und gehe nicht ins Haus deines Bruders, wenn dir's übel gehet; denn ein Nachbar ist besser in der Nähe weder ein Bruder in der Ferne.
8Sei weise, mein Sohn, so freuet sich mein Herz, so will ich antworten dem, der mich schmähet.
9Ein Witziger siehet das Unglück und verbirgt sich; aber die Albernen gehen durch und leiden Schaden.
10Nimm dem sein Kleid der für einen andern Bürge wird, und pfände ihn um der Fremden willen.
11Wer seinen Nächsten mit lauter Stimme segnet und früh aufstehet, das wird ihm für einen Fluch geredet.
12Ein zänkisch Weib und stetiges Triefen, wenn's sehr regnet, werden wohl miteinander verglichen.
13Wer sie aufhält, der hält den Wind und will das Öl mit der Hand fassen.
14Ein Messer wetzt das andere und ein Mann den andern.
15Wer seinen Feigenbaum bewahret, der isset Früchte davon; und wer seinen HERRN bewahret, wird geehret.
16Wie der Schemen im Wasser ist gegen das Angesicht, also ist eines Menschen Herz gegen den andern.
17Hölle und Verderbnis werden nimmer voll, und der Menschen Augen sind auch unsättig.
18Ein Mann wird durch den Mund des Lobers bewähret wie das Silber im Tiegel und das Gold im Ofen.
19Wenn du den Narren im Mörser zerstießest mit dem Stämpfel wie Grütze, so ließe doch seine Narrheit nicht von ihm.
20Auf deine Schafe hab acht und nimm dich deiner Herde an;
21denn Gut währet nicht ewiglich, und die Krone währet nicht für und für.
22Das Heu ist aufgegangen und ist da das Gras, und wird Kraut auf den Bergen gesammelt.
23Die Lämmer kleiden dich, und die Böcke geben dir das Ackergeld.
24Du hast Ziegenmilch genug zur Speise deines Hauses und zur Nahrung deiner Dirnen.
25Der Gottlose fleucht, und niemand jagt ihn; der Gerechte aber ist getrost wie ein junger Löwe.
26Um des Landes Sünde willen werden viel Änderungen der Fürstentümer; aber um der Leute willen, die verständig und vernünftig sind, bleiben sie lange.
27Ein armer Mann, der die Geringen beleidigt, ist wie ein Meltau, der die Frucht verderbt.