1Du sprichst: Meine Rede ist rein, und lauter bin ich vor deinen Augen.

2Ach, daß Gott mit dir redete und täte seine Lippen auf

3und zeigete die heimliche Weisheit! Denn er hätte wohl noch mehr an dir zu tun, auf daß du wissest, daß er deiner Sünden nicht aller gedenkt.

4Meinest du, daß du so viel wissest, als Gott weiß, und wollest alles so vollkommen treffen als der Allmächtige?

5Er ist höher denn der Himmel; was willst du tun? tiefer denn die Hölle; was kannst du wissen?

6Länger denn die Erde und breiter denn das Meer.

7So er sie umkehrete oder verbürge oder in einen Haufen würfe, wer will's ihm wehren?

8Denn er kennet die losen Leute, er siehet die Untugend, und sollte es nicht merken?

9Ein unnützer Mann blähet sich; und ein geborener Mensch will sein wie ein junges Wild.

10Wenn du dein Herz hättest gerichtet und deine Hände zu ihm ausgebreitet;

11wenn du die Untugend, die in deiner Hand ist, hättest ferne von dir getan, daß in deiner Hütte kein Unrecht bliebe,

12so möchtest du dein Antlitz aufheben ohne Tadel und würdest fest sein und dich nicht fürchten.

13Dann würdest du der Mühe vergessen und so wenig gedenken als des Wassers, das vorübergehet.

14Und die Zeit deines Lebens würde aufgehen wie der Mittag, und das Finstere würde ein lichter Morgen werden.

15Und dürftest dich des trösten, daß Hoffnung da sei; du würdest mit Ruhe ins Grab kommen.

16Und würdest dich legen, und niemand würde dich aufschrecken; und viele würden vor dir flehen.

17Aber die Augen der Gottlosen werden verschmachten, und werden nicht entrinnen mögen; denn ihre Hoffnung wird ihrer Seele fehlen.

18Da antwortete Hiob und sprach:

19Ja, ihr seid die Leute; mit euch wird die Weisheit sterben!

20Ich habe so wohl ein Herz als ihr und bin nicht geringer denn ihr; und wer ist, der solches nicht wisse?