1Meinest du, er wird sich vor dir fürchten, dich zu strafen, und mit dir vor Gericht treten?
2Ja, deine Bosheit ist zu groß, und deiner Missetat ist kein Ende.
3Du hast etwa deinem Bruder ein Pfand genommen ohne Ursache, du hast den Nackenden die Kleider ausgezogen;
4du hast die Müden nicht getränket mit Wasser und hast dem Hungrigen dein Brot versagt;
5du hast Gewalt im Lande geübet und prächtig drinnen gesessen;
6die Witwen hast du leer lassen gehen und die Arme der Waisen zerbrochen.
7Darum bist du mit Stricken umgeben, und Furcht hat dich plötzlich erschrecket.
8Solltest du denn nicht die Finsternis sehen, und die Wasserflut dich nicht bedecken?
9Siehe, Gott ist hoch droben im Himmel und siehet die Sterne droben in der Höhe.
10Und du sprichst: Was weiß Gott? Sollt er, das im Dunkeln ist, richten können?
11Die Wolken sind seine Vordecke, und siehet nicht, und wandelt im Umgang des Himmels.
12Willst du der Welt Lauf achten, darinnen die Ungerechten gegangen sind,
13die vergangen sind, ehe denn es Zeit war, und das Wasser hat ihren Grund weggewaschen,
14die zu Gott sprachen: Heb dich von uns, was sollte der Allmächtige ihnen tun können,
15so er doch ihr Haus mit Gütern füllete? Aber der Gottlosen Rat sei ferne von mir!
16Die Gerechten werden sehen und sich freuen, und der Unschuldige wird ihrer spotten.
17Was gilt's, ihr Wesen wird verschwinden und ihr Übriges das Feuer verzehren!
18So vertrage dich nun mit ihm und habe Frieden; daraus wird dir viel Gutes kommen.
19Höre das Gesetz von seinem Munde und fasse seine Rede in dein Herz.
20Wirst du dich bekehren zu dem Allmächtigen, so wirst du gebauet werden und Unrecht ferne von deiner Hütte tun,
21so wirst du für Erde Gold geben und für die Felsen güldene Bäche;
22und der Allmächtige wird dein Gold sein, und Silber wird dir zugehäuft werden.
23Dann wirst du deine Lust haben an dem Allmächtigen und dein Antlitz zu Gott aufheben.
24So wirst du ihn bitten, und er wird dich hören; und wirst deine Gelübde bezahlen.
25Was du wirst vornehmen, wird er dir lassen gelingen; und das Licht wird auf deinem Wege scheinen.
26Denn die sich demütigen, die erhöhet er; und wer seine Augen niederschlägt, der wird genesen.
27Und der Unschuldige wird errettet werden; er wird aber errettet um seiner Hände Reinigkeit willen.
28Hiob antwortete und sprach:
29Meine Rede bleibet noch betrübt; meine Macht ist schwach über meinem Seufzen.
30Ach, daß ich wüßte, wie ich ihn finden und zu seinem Stuhl kommen möchte