1Du hast die Furcht fahren lassen und redest zu verächtlich vor Gott.

2Denn deine Missetat lehret deinen Mund also, und hast erwählet eine schalkhafte Zunge.

3Dein Mund wird dich verdammen, und nicht ich; deine Lippen sollen dir antworten.

4Bist du der erste Mensch geboren? Bist du vor allen Hügeln empfangen?

5Hast du Gottes heimlichen Rat gehöret? und ist die Weisheit selbst geringer denn du?

6Was weißt du, das wir nicht wissen? Was verstehest du, das nicht bei uns sei?

7Es sind Graue und Alte unter uns, die länger gelebt haben denn deine Väter.

8Sollten Gottes Tröstungen so geringe vor dir gelten? Aber du hast irgend noch ein heimlich Stück bei dir.

9Was nimmt dein Herz vor? Was siehest du so stolz?

10Was setzt sich dein Mut wider Gott, daß du solche Rede aus deinem Munde lässest?

11Was ist ein Mensch, daß er sollte rein sein, und daß der sollte gerecht sein, der vom Weibe geboren ist?

12Siehe, unter seinen Heiligen ist keiner ohne Tadel, und die Himmel sind nicht rein vor ihm.

13Wie viel mehr ein Mensch, der ein Greuel und schnöde ist, der Unrecht säuft wie Wasser.

14Ich will dir's zeigen, höre mir zu; und will dir erzählen was ich gesehen habe,

15was die Weisen gesagt haben, und ihren Vätern nicht verhohlen gewesen ist,

16welchen allein das Land gegeben ist, daß kein Fremder durch sie gehen muß.

17Der Gottlose bebet sein Leben lang; und dem Tyrannen ist die Zahl seiner Jahre verborgen.

18Was er höret, das schrecket ihn; und wenn's gleich Friede ist, fürchtet er sich, der Verderber komme;

19glaubt nicht, daß er möge dem Unglück entrinnen, und versiehet sich immer des Schwerts.

20Er zeucht hin und hernach Brot und dünket ihn immer, die Zeit seines Unglücks sei vorhanden.

21Angst und Not schrecken ihn und schlagen ihn nieder als ein König mit einem Heer.

22Denn er hat seine Hand wider Gott gestrecket und wider den Allmächtigen sich gesträubet.

23Er läuft mit dem Kopf an ihn und ficht halsstarriglich wider ihn.

24Er brüstet sich wie ein fetter Wanst und macht sich fett und dick.

25Er wird aber wohnen in verstörten Städten, da keine Häupter sind, sondern auf einem Haufen liegen.

26Er wird nicht reich bleiben, und sein Gut wird nicht bestehen, und sein Glück wird sich nicht ausbreiten im Lande.

27Unfall wird nicht von ihm lassen. Die Flamme wird seine Zweige verdorren und durch den Odem ihres Mundes ihn wegfressen.

28Er wird nicht bestehen, denn er ist in seinem eiteln Dünkel betrogen, und eitel wird sein Lohn werden.

29Er wird ein Ende nehmen, wenn's ihm uneben ist, und sein Zweig wird nicht grünen.

30Er wird abgerissen werden wie eine unzeitige Traube vom Weinstock, und wie ein Ölbaum seine Blüte abwirft.

31Denn der Heuchler Versammlung wird einsam bleiben, und das Feuer wird die Hütten fressen, die Geschenke nehmen.

32Er gehet schwanger mit Unglück und gebiert Mühe, und ihr Bauch bringet Fehl.

33Hiob antwortete und sprach:

34Ich habe solches oft gehöret. Ihr seid allzumal leidige Tröster.

35Wollen die losen Worte kein Ende haben? Oder was macht dich so frech, also zu reden?