1Er ist weise und mächtig wem ist's je gelungen, der sich wider ihn gelegt hat?
2Er versetzt Berge, ehe sie es inne werden, die er in seinem Zorn umkehret.
3Er weget ein Land aus seinem Ort, daß seine Pfeiler zittern.
4Er spricht zur Sonne, so gehet sie nicht auf, und versiegelt die Sterne.
5Er breitet den Himmel aus allein und gehet auf den Wogen des Meers.
6Er machet den Wagen am Himmel und Orion und die Glucke und die Sterne gegen Mittag.
7Er tut große Dinge, die nicht zu forschen sind, und Wunder, deren keine Zahl ist.
8Siehe, er gehet vor mir über, ehe ich's gewahr werde, und verwandelt sich, ehe ich's merke.
9Siehe, wenn er geschwind hinfähret, wer will ihn wiederholen? Wer will zu ihm sagen: Was machst du?
10Er ist Gott, seinen Zorn kann niemand stillen; unter ihm müssen sich beugen die stolzen HERREN.
11Wie sollt ich denn ihm antworten und Worte finden gegen ihn?
12Wenn ich auch gleich recht habe, kann ich ihm dennoch nicht antworten sondern ich müßte um mein Recht flehen.
13Wenn ich ihn schon anrufe, und er mich erhöret, so glaube ich doch nicht, daß er meine Stimme höre.
14Denn er fähret über mich mit Ungestüm und macht mir der Wunden viel ohne Ursache.
15Er läßt meinen Geist sich nicht erquicken, sondern macht mich voll Betrübnis.
16Will man Macht; so ist er zu mächtig; will man Recht, wer will mein Zeuge sein?
17Sage ich, daß ich gerecht bin; so verdammet er mich doch; bin ich fromm, so macht er mich doch zu Unrecht.
18Bin ich denn fromm, so darf sich's meine Seele nicht annehmen. Ich begehre keines Lebens mehr.
19Das ist das Eine, das ich gesagt habe: Er bringet um beide den Frommen und Gottlosen.
20Wenn er anhebt zu geißeln, so dringet er fort bald zum Tode und spottet der Anfechtung der Unschuldigen.
21Das Land aber wird gegeben unter die Hand des Gottlosen, daß er ihre Richter unterdrücke. Ist's nicht also? Wie sollte es anders sein?
22Meine Tage sind schneller gewesen denn ein Läufer; sie sind geflohen und haben nichts Gutes erlebt.
23Sie sind vergangen wie die starken Schiffe, wie ein Adler fleugt zur Speise.
24Wenn ich gedenke, ich will meiner Klage vergessen und meine Gebärde lassen fahren und mich erquicken,
25so fürchte ich alle meine Schmerzen, weil ich weiß, daß du mich nicht unschuldig sein lässest.
26Bin ich denn gottlos, warum leide ich denn solche vergebliche Plage?
27Wenn ich mich gleich mit Schneewasser wünsche und reinigte meine Hände mit dem Brunnen,
28so wirst du mich doch tunken in Kot, und werden mir meine Kleider scheußlich anstehen.
29Denn er ist nicht meinesgleichen, dem ich antworten möchte, daß wir vor Gericht miteinander kämen.
30Es ist unter uns kein Schiedsmann, noch der seine Hand zwischen uns beide lege.
31Er nehme von mir seine Rute und lasse sein Schrecken von mir,
32daß ich möge reden und mich nicht vor ihm fürchten dürfe; sonst kann ich nichts tun, das für mich sei.
33Meine Seele verdreußt mein Leben; ich will meine Klage bei mir gehen lassen und reden von Betrübnis meiner Seele
34und zu Gott sagen: Verdamme mich nicht; laß mich wissen, warum du mit mir haderst!
35Gefällt dir's, daß du Gewalt tust und mich verwirfst, den deine Hände gemacht haben, und machest der Gottlosen Vornehmen zu Ehren?