1Ich könnte auch wohl reden wie ihr. Wollte Gott, eure Seele wäre an meiner Seele Statt! Ich wollte auch mit Worten an euch setzen und mein Haupt also über euch schütteln.

2Ich wollte euch stärken mit dem Munde und mit meinen Lippen trösten.

3Aber wenn ich schon rede, so schonet mein der Schmerz nicht; lasse ich's anstehen, so gehet er nicht von mir.

4Nun aber macht er mich müde und verstöret alles, was ich bin.

5Er hat mich runzlicht gemacht und zeuget wider mich; und mein Widersprecher lehnet sich wider mich auf und antwortet wider mich.

6Sein Grimm reißet, und der mir gram ist, beißet die Zähne über mich zusammen; mein Widersacher funkelt mit seinen Augen auf mich.

7Sie haben ihren Mund aufgesperret wider mich und haben mich schmählich auf meine Backen geschlagen; sie haben ihren Mut miteinander an mir gekühlet.

8Gott hat mich übergeben dem Ungerechten und hat mich in der Gottlosen Hände lassen kommen.

9Ich war reich, aber er hat mich zunichte gemacht; er hat mich beim Hals genommen und zerstoßen und hat mich ihm zum Ziel aufgerichtet.

10Er hat mich umgeben mit seinen Schützen; er hat meine Nieren gespalten und nicht verschonet; er hat meine Galle auf die Erde geschüttet;

11er hat mir eine Wunde über die andere gemacht; er ist an mich gelaufen wie ein Gewaltiger.

12Ich habe einen Sack um meine Haut genähet und habe mein Horn in den Staub gelegt.

13Mein Antlitz ist geschwollen von Weinen, und meine Augenlider sind verdunkelt,

14wiewohl kein Frevel in meiner Hand ist, und mein Gebet ist rein.

15Ach, Erde, verdecke mein Blut nicht! und mein Geschrei müsse nicht Raum finden!

16Auch siehe da, mein Zeuge ist im Himmel; und der mich kennet, ist in der Höhe.

17Meine Freunde sind meine Spötter; aber mein Auge tränet zu Gott.

18Wenn ein Mann könnte mit Gott rechten wie ein Menschenkind mit seinem Freunde!

19Aber die bestimmten Jahre sind kommen, und ich gehe hin des Weges, den ich nicht wiederkommen werde.

20Mein Odem ist schwach, und meine Tage sind abgekürzt, das Grab ist da.

21Niemand ist von mir getäuschet, noch muß mein Auge darum bleiben in Betrübnis.

22Ob du gleich einen Bürgen für mich wolltest, wer will für mich geloben?