1Laßt uns ein Urteil erwählen, daß wir erkennen unter uns, was gut sei.

2Denn Hiob hat gesagt: Ich bin gerecht, und Gott weigert mir mein Recht.

3Ich muß lügen, ob ich wohl recht habe, und bin gequälet von meinen Pfeilen, ob ich wohl nichts verschuldet habe.

4Wer ist ein solcher wie Hiob, der da Spötterei trinket wie Wasser

5und auf dem Wege gehet mit den Übeltätern und wandelt mit den gottlosen Leuten?

6Denn er hat gesagt: Wenn jemand schon fromm ist, so gilt er doch nichts bei Gott.

7Darum höret mir zu, ihr weisen Leute: Es sei ferne, daß Gott sollte gottlos sein und der Allmächtige ungerecht,

8sondern er vergilt dem Menschen, danach er verdienet hat, und trifft einen jeglichen nach seinem Tun.

9Ohne Zweifel, Gott verdammet niemand mit Unrecht, und der Allmächtige beuget das Recht nicht.

10Wer hat, das auf Erden ist, verordnet, und wer hat den ganzen Erdboden gesetzt?

11So er sich's würde unterwinden, so würde er aller Geist und Odem zu sich sammeln.

12Alles Fleisch würde miteinander vergehen, und der Mensch würde wieder zu Asche werden.

13Hast du nun Verstand, so höre das und merke auf die Stimme meiner Rede.

14Sollte einer darum das Recht zwingen, daß er's hasset? Und daß du stolz bist, solltest du darum den Gerechten verdammen?

15Sollt einer zum Könige sagen: Du loser Mann! und zu den Fürsten: Ihr Gottlosen!?

16Der doch nicht ansiehet die Person der Fürsten und kennet den HERRLIchen nicht mehr denn den Armen; denn sie sind alle seiner Hände Werk.

17Plötzlich müssen die Leute sterben und zu Mitternacht erschrecken und vergehen; die Mächtigen werden kraftlos weggenommen.

18Denn seine Augen sehen auf eines jeglichen Wege, und er schaut alle ihre Gänge.

19Es ist kein Finsternis noch Dunkel, daß sich da möchten verbergen die Übeltäter.

20Denn es wird niemand gestattet, daß er mit Gott rechte.

21Er bringet der Stolzen viel um, die nicht zu zählen sind, und stellet andere an ihre Statt,

22darum daß er kennet ihre Werke und kehret sie um des Nachts, daß sie zerschlagen werden.

23Er wirft die Gottlosen über einen Haufen, da man's gerne siehet,

24darum daß sie von ihm weggewichen sind und verstunden seiner Wege keinen,

25daß das Schreien der Armen mußte vor ihn kommen, und er das Schreien der Elenden hörete.

26Wenn er Frieden gibt, wer will verdammen? und wenn er das Antlitz verbirget, wer will ihn schauen unter den Völkern und Leuten?

27Und läßt über sie regieren einen Heuchler, das Volk zu drängen.

28Ich muß für Gott reden und kann's nicht lassen.

29Hab ich's nicht getroffen, so lehre du mich's besser; hab ich unrecht gehandelt, ich will's nicht mehr tun.

30Man wartet der Antwort von dir, denn du verwirfst alles; und du hast's angefangen und nicht ich. Weißest du nun was, so sage an!

31Weise Leute lasse ich mir sagen, und ein weiser Mann gehorchet mir.

32Aber Hiob redete mit Unverstand, und seine Worte sind nicht klug.

33Mein Vater! laß Hiob versucht werden bis ans Ende, darum daß er sich zu unrechten Leuten kehret.

34Er hat über seine Sünde dazu noch gelästert; darum laß Ihn zwischen uns geschlagen werden und danach viel wider Gott plaudern.

35Und Elihu antwortete und sprach:

36Achtest du das für recht, daß du sprichst: Ich bin gerechter denn Gott?

37Denn du sprichst: Wer gilt bei dir etwas? Was hilft's, ob ich mich ohne Sünde mache?