1Irre ich, so irre ich mir.

2Aber ihr erhebet euch wahrlich wider mich und scheltet mich zu meiner Schmach.

3Merket doch einst, daß mir Gott unrecht tut und hat mich mit seinem Jagestrick umgeben.

4Siehe, ob ich schon schreie über Frevel, so werde ich doch nicht erhöret; ich rufe, und ist kein Recht da.

5Er hat meinen Weg verzäunet, daß ich nicht kann hinübergehen, und hat Finsternis auf meinen Steig gestellet.

6Er hat meine Ehre mir ausgezogen und die Krone von meinem Haupt genommen.

7Er hat mich zerbrochen um und um und läßt mich gehen, und hat ausgerissen meine Hoffnung wie einen Baum.

8Sein Zorn ist über mich ergrimmet, und er achtet mich für seinen Feind.

9Seine Kriegsleute sind miteinander kommen und haben ihren Weg über mich gepflastert und haben sich um meine Hütte her gelagert.

10Er hat meine Brüder ferne von mir getan, und meine Verwandten sind mir fremd worden.

11Meine Nächsten haben sich entzogen, und meine Freunde haben mein vergessen.

12Meine Hausgenossen und meine Mägde achten mich für fremd, ich bin unbekannt worden vor ihren Augen.

13Ich rief meinem Knecht, und er antwortete mir nicht; ich mußte ihm flehen mit eigenem Munde.

14Mein Weib stellet sich fremd, wenn ich ihr rufe; ich muß flehen den Kindern meines Leibes.

15Auch die jungen Kinder geben nichts auf mich; wenn ich mich wider sie setze, so geben sie mir böse Worte.

16Alle meine Getreuen haben Greuel an mir; und die ich liebhatte, haben sich wider mich gekehret.

17Mein Gebein hanget an meiner Haut und Fleisch, und kann meine Zähne mit der Haut nicht bedecken.

18Erbarmet euch mein, erbarmet euch mein, ihr, meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich gerühret.

19Warum verfolget ihr mich gleich so wohl als Gott und könnet meines Fleisches nicht satt werden?

20Ach, daß meine Reden geschrieben würden! Ach, daß sie in ein Buch gestellet würden,

21mit einem eisernen Griffel auf Blei und zu ewigem Gedächtnis in einen Fels gehauen würden!

22Aber ich weiß, daß mein Erlöser lebet; und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken;

23und werde danach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott sehen.

24Denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Meine Nieren sind verzehret in meinem Schoß.

25Denn ihr sprechet: Wie wollen wir ihn verfolgen und eine Sache zu ihm finden?

26Fürchtet euch vor dem Schwert; denn das Schwert ist der Zorn über die Missetat, auf daß ihr wisset, daß ein Gericht sei.

27Da antwortete Zophar von Naema und sprach:

28Darauf muß ich antworten und kann nicht harren.

29Und will gerne hören, wer mir das soll strafen und tadeln; denn der Geist meines Verstandes soll für mich antworten.